EmotionIn unserem alltäglichen Sprachgebrauch werden die Wörter „Gefühle“ und „Emotionen“ praktisch synonym verwendet. Zeigt eine Person viele Gefühle, wird sie häufig als emotional bezeichnet und irgendwie klingt „Emotion“ auch weniger gefährlich, weniger stark als „Gefühl“.
Dabei gibt es einen sehr großen, entscheidenden Unterschied zwischen Gefühlen und Emotionen. Diese Unterscheidung zu kriegen, wird deine Beziehungen, dein Selbstbild, dein Leben verändern!
Gefühlekommen immer aus dem gegenwärtigen Augenblick. Sie entstehen im JETZT und verschwinden nach ein paar Sekunden wieder. Wie eine Welle, die kommt und geht und dann kommt die nächste. Wir fühlen ständig, in jedem Augenblick und alle vier Gefühle – Wut, Traurigkeit, Angst und Freude – tauchen im ständigen Wechsel auf. Ganz normal, ganz selbstverständlich.
Diese Gefühle können wir für uns nutzen, sie dienen uns als Navigationssystemund zeigen uns auf, was es gerade zu tun gilt (das ist ein Thema für sich).
Emotionendagegen dauern viel länger. Minuten, Stunden oder sogar Tage! Für Emotionen gibt es zwei Quellen: entweder wir übernehmen Emotionen von Anderen, häufig von Autoritätspersonen, oder wir tragen Emotionen in Form von unvollendeten Gefühlen aus der Kindheit mit uns herum. Beides sind nicht unsere eigenen, aktuellen Gefühle!!!
Lass mich ein paar Beispiele geben, damit die Unterscheidung klarer wird:
Erinnerst du dich auch an die Schweinegrippe und die damit verbundene Hysterie? Die Angst, die du dabei (vielleicht) gespürt hast, war zum Großteil nicht Deine eigene. Du hast sie vielmehr übernommen von den Medien, vermeintlichen Autoritäten wie Politikern, Ärzten etc. oder anderen Menschen. Diese Angst wurde Dir sozusagen von anderen angeboten und wenn Du sie angenommen hast, war es nicht Dein eigenes Gefühlt, es war vielmehr eine Emotion.
Oder die deutschlandweite Begeisterung bei der WM 2006 als absolute Anti-Fußballer urplötzlich Fahnen schwenkend und bunt bemalt beim Public Viewing mitgegrölt haben. Die Freudeüber das Ereignis und den Erfolg der deutschen Mannschaft war nicht ihre eigene, sie war übernommen wiederum von Medien und anderen Personen. Sie haben sie sprichwörtlich anstecken lassen. Auch diese Freude war eine Emotion.
Diese beiden Beispiele sind groß – das alles passiert ständig viel kleiner, viel subtiler. Wenn uns die Kollegin dringend empfiehlt, die neuesten Ernährungs- und Kosmetiktipps zu befolgen, damit unser Körper nicht durch Falten und Cellulitis entstellt wird (à Angst,  nicht gut auszusehen, nicht geliebt zu werden). Wenn unser bester Kumpel uns eindringlich nahe legt, doch endlich eine  private Rentenversicherung abzuschließen, um im Alter nicht mit leeren Händen dazu stehen (à Existenzangst, Angst den Lebensstandard zu verlieren). Und so weiter.
Daran ist nichts gut oder schlecht. Sei Dir nur einfach bewusst, dass es nicht Deine eigenen Gefühle sind, die Du da spürst!
Viel schwerwiegender sind allerdings die Emotionen, die wir aus der Vergangenheit mitgebracht haben. Und wir wissen es nicht mal. Ehrlich, wir tragen so viel Müll mit uns herum und denken, es wären unsere Gefühle!
Diese Emotionen sind sehr komplex und bei jedem anders, deshalb gibt es keine Pauschalbeispiele, die auf alle zutreffen.
Wenn du auf irgendetwas reagierst, was dein Partner, Kollege, Freund etc. getan oder nicht getan hat, gesagt oder nicht gesagt hat und diese Reaktion (z.B. Zorn, Aufregung, Neid, Traurigkeit, Verletztheit etc.) länger als ein paar Sekunden andauert, kannst du davon ausgehen, dass es sich um eine Emotion handelt. Du projizierst ein unvollendetes Gefühlaus deiner Vergangenheit auf die Person, die dir gerade gegenüber steht.
Das ist harter Tobak. Es bedeutet, dass deine alltäglichen Gefühle nicht, wie du bisher geglaubt hast, von dummen, unsensiblen Menschen oder unfairen Umständen ausgelöst wurden, sondern in Wirklichkeit von dir erzeugte Emotionen sind. Die Brille dieser Emotionen tragen wir seit Jahrzehnten auf unserer Nase und durch sie sehen und erleben wir die Welt!
Die gute Nachrichten: Emotionen können geheilt werden. Sobald wir erkennen, dass das, was uns gerade trifft, eine Emotion ist, haben wir die Chance etwas zu heilen (z.B. durch einen geführten Gefühlsprozess). Wir können alte Wunden schließen, von denen wir nicht einmal wussten, dass wir sie mit uns herum tragen.
Eins von vielen Beispielen aus eigener Erfahrung: wenn ich mit mehreren anderen Frauen zusammen war, habe ich mich oft ausgeschlossen, nicht dazu gehörig gefühlt. Da war eine Gruppe von Frauen, die sich super verstanden und auf einer Wellenlänge funkten – und abseits davon war ich. In dem ständigen Glauben, dass alles, was ich sagte, machte, dachte falsch war. Irgendwann hat’s mich so genervt und traurig gemacht, dass ich mich überwunden habe, einen Prozess dazu zu machen. Ich kam an den Ursprung dieses Gefühls und konnte es dank der Unterstützung einer Freundin auflösen. Und ohne, dass ich sonst irgendetwas ändern musste, hat sich meine Wahrnehmung und mein Verhalten im Umgang mit anderen Frauen komplett geändert. Ich fühle mich nicht länger als Außenseiterin, ich traue mich, mich so zu zeigen, wie ich bin, ohne die Angst falsch zu sein. Ich kann jetzt wirklich Teil der Gruppe sein, dazu gehören.
Wenn ihr selbst einmal solche Erfahrungen gemacht und Erkenntnisse gewonnen habt, fragt ihr euch, warum solche Prozesse nicht auf Rezept verschrieben werden…
Ich kann Dich nur einladen, zu unterscheiden. Was ist wirklich Dein aktuelles Gefühl und was ist eine übernommene oder alte Emotion, die nur gerade getriggert wurde? Dadurch ersparst Du Dir unglaublich viel Enttäuschung, Wut und Traurigkeit. Und Deinen Partnern, Kollegen, Freunden sehr viele Vorwürfe, Angriffe und Demütigungen.
Gefühle dienen dazu, etwas zu erledigen.
Emotionen dienen dazu, etwas zu heilen.
Diese Unterscheidung wird dein Leben verändern.
Alles Liebe,
Carolin