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Permanent sind wir auf die unterschiedlichste Art und Weise in Beziehung mit anderen Menschen. Immer wieder reagiert unser System auf das Verhalten dieser Menschen. Und allzu oft benimmt sich die andere Person nicht so, wie wir es erwarten. Fast täglich fühlen wir uns nicht gehört, nicht ernst genommen, unfair behandelt, vor den Kopf gestoßen, verarscht und in letzter Konsequenz nicht geliebt. Und entsprechend unserer (unbewussten) Prägungen reagieren wir darauf zum Beispiel mit Vorwürfen oder beleidigtem Rückzug.
Das macht in den allermeisten Fällen die Situation nur noch schlimmer. Unser Verhalten drückt nämlich mit faszinierender Zuverlässigkeit wiederum bei der anderen Person einen Knopf und die Drama-Spirale nimmt Fahrt auf. Das Ergebnis kennen wir alle: Groll, der eine harmonische und nährende Beziehung unmöglich macht.

Wenn Du dieses Spiel eine zeitlang mitgespielt hast, kommst Du mit großer Wahrscheinlichkeit an den Punkt, an dem Du darauf einfach keinen Bock mehr hast.
Aber was tun?

Wie so oft liegt der Schlüssel im Bewusst-Sein.

Genauer gesagt, im sich seiner Reaktionen bewusst werden. Deine Wahrnehmung eines bestimmten Verhaltens fühlt sich für Dich nämlich absolut wahr an. „Aber er hat mich doch unfair behandelt!“ und „Es ist ja wohl unter aller Sau, wie sie sich verhält!“ sagst Du. Sich einzugestehen, dass es Deine Wahrnehmung der Situation ist, die Dich ins Drama stürzt ist hart. Sehr hart. Und gleichzeitig so heilsam.

Zu erkennen, dass Du Dir eine Geschichte erzählst, die Deine unbewussten Überzeugungen bestätigt, ist schmerzhaft. Mit einem Mal werden Dir Zusammenhänge bewusst. Zum Beispiel, dass Du Dich immer wieder von Menschen nicht gesehen fühlst. Dass Du nicht zum ersten Mal den Eindruck hast, man hört nicht auf Dich. Dass es schon öfter vorkam, dass Dich jemand versetzt hat. Diese Widerholungen sind ein sicheres Zeichen dafür, dass Du einen entsprechenden Glaubenssatz in Dir trägst. Meistens lautet der so ähnlich wie: „Ich bin es nicht wert.“, „Mich will eh keine.“, „Ich bin nicht gut genug.“ oder „Ich bin langweilig.“. Und solange Du diese Überzeugung in Dir trägst, wird Dein Außen sie Dir immer wieder bestätigen.

Es gibt aber einen Ausweg aus diesem Teufelskreis.

Das Spannende ist nämlich, dass Du diese Gedanken nicht denken musst. Niemand zwingt Dich, Dir diese alten Geschichten immer und immer wieder zu erzählen. Du kannst erkennen, dass es einfach nur eine Geschichte ist. Und in diesem Moment hast Du die unglaubliche Freiheit, Dir einfach eine andere Geschichte zu erzählen.

Konkret geht das so: wenn Du Dich das nächste Mal übergangen, nicht gehört, unfair behandelt etc. fühlst, halte einen Moment inne. Nimm einfach wahr, welche Geschichte Du Dir erzählst. Und dann frag Dich, ob diese Geschichte Dir Kraft gibt und Du Dich mit ihr gut fühlst. Wenn nicht, wähle einfach eine andere. Du könntest beispielsweise feststellen, dass die andere Person grad viel um die Ohren hat, mit den Gedanken wo anders war, gestresst ist oder Ängste hat, die bei ihm/ihr bestimmte Verhaltensweisen auslösen. Und schon bist Du nicht länger Opfer, sondern Du bestimmst ganz bewusst, wie Du Dich fühlst. Und Dein Groll löst sich in Luft auf.

Werde Dir Deiner Geschichten bewusst und erzähl‘ ab heute andere. Es lohnt sich.

 

Alles Liebe,
Carolin

 

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