Wahl
Wir lieben es, Opfer zu sein. Es ist einfach so bequem, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Der blöde Chef, die aufdringliche Schwiegermutter und nicht zuletzt der eigene Partner, der sich wieder mal daneben benommen hat.
Wir fühlen uns wirklich pudelwohl in der Opferrolle, wir suhlen uns regelrecht darin. Wir wurden schließlich angegriffen, verletzt, ungerecht behandelt und so weiter.
Das Dumme daran ist nur, dass wir als Opfer zwar vollkommen unschuldig sind, aber eben auch vollkommen hilflos und ohnmächtig. Aus dieser Perspektive betrachtet, sind wir dem Anderen, der Situation total ausgeliefert. Wir können zwar schimpfen und jammern, aber ändern können wir nichts an unserem ach so harten „Schicksal“.
Es gibt da noch eine andere Alternative.
Wie wäre es, wenn Du mal für einen Moment davon ausgehst, dass Du Dir jede Situation genau so geschaffen hast, wie Du sie gerade erlebst. Ja, genau – Du hast Dir die Situation selbst kreiert. Unbewusst natürlich.  Dein Ego schreit gerade entsetzt auf! „Was ICH?!? Ich kann doch nichts dafür! Das wird mir doch angetan!“ Bewusst wolltest Du es natürlich ganz anders haben.
Aber es gibt einen Teil in Dir, der fleißig daran gearbeitet hat, Dich genau dahin zu bringen, wo du gerade bist. Vermutlich nicht zum ersten Mal. Oder kommt Dir die Situation etwa nicht bekannt vor? Wieder ein Partner/eine Partnerin, der/die Dich verlässt. Wieder hat Dein Chef Dich vor der ganzen Truppe zur Schnecke gemacht. Schon wieder nähert sich Dein Kontostand bedrohlich den roten Zahlen. Zum X. mal hat Deine beste Freundin Dich versetzt.
Anstatt Dich im Selbstmitleid zu suhlen und dem Anderen Vorwürfe zu machen, probier mal was Neues aus. Betrachte das ganze als Beobachter. Ganz neutral, ohne mit Deiner Rolle identifiziert zu sein. So nach dem Motto: „Aha, wieder hat ein Kunde einen Termin kurzfristig platzen lassen. Das ist mir in letzter Zeit öfter passiert. Da scheint was dahinter zu stecken.“ Gehe in jedem Fall davon aus, dass Du selbst es warst, der das ganze genau so inszeniert hat. Wenn Du es geschaffen hast, hast auch DU die Macht, es zu ändern. Und schon bist Du aus der Opferrolle draußen.
Frage Dich zum Beispiel:
Welche Vorteile ziehe ich daraus?
Und glaub mir, wir haben immer irgendwelche Vorteile, wenn wir Opfer sind. Wir können zum Beispiel Verantwortung abgeben, wir müssen uns nicht mit unseren eigenen Unzulänglichkeiten beschäftigen, wir können Nähe vermeiden (das ist einer der häufigsten Gründe!!!), wir sind nicht gefährlich für andere, wir müssen unser wahres Potential nicht zeigen, wir müssen nicht gegen den Strom schwimmen u.v.m.
Woher kenne ich ähnliche Situationen? Wann trat eine solche Gegebenheit zum ersten Mal auf?
Oft wiederholen wir alt eingefahrene Muster aus unserer Kindheit. Wenn unser Vater physisch oder emotional viel abwesend war, ist die Chance groß, dass auch unsere heutigen Partner oft nicht (für uns) da sind.
Welche Glaubenssätzetrage ich unbemerkt mit mir herum?
Sowas wie „Ich kann’s ja eh keinem recht machen“, „Ich bin es nicht wert, wohlhabend und glücklich zu sein“, „Die Welt ist hart und ungerecht“, „Männer sind Schweine“,  „Das schaffe ich nie“ usw.
Ist es da ein Wunder, dass wir uns solche Ereignisse immer wieder ins Leben holen?
Manchmal ist die Ursache nicht so offensichtlich. Dann hilft es, andere Menschen ins Boot zu holen. Gute Freunde, zum Beispiel, können oft erstaunlich klar erkennen, warum uns dieses und jenes immer wieder passiert. Auch indem wir (unter Anleitung eines Coaches) in das entsprechende Gefühl gehen, kommen wir an die ursächliche Situation und die damals getroffenen Entscheidungen. Familienaufstellungen sind eine weitere Methode und das ist nur eine kleine Auswahl an Möglichkeiten, die Ursache für solch unzufriedenstellende und frustrierende Situationen zu finden.
Wenn Du die Schnauze voll hast, vom hilflosen Opferdasein, dann übernimm die Verantwortung für Deine Eigenkreationen und komme Dir selbst auf die Schliche! Und schon hast Du die Macht, etwas völlig neues zu kreieren.
Frohes (Er-)Schaffen wünscht Dir
Carolin