Führen Folgen

Hast Du Lehrer, Mentoren, Trainer oder ähnliches (oder die weibliche Variante davon), von denen Du Dich inspirieren, führen, facilitieren lässt?

Das ist toll, gell?! Ich hatte und habe selbst einige davon.

Da ist jemand, der scheinbar viel weiter ist als man selbst, erfahrener, bewusster, klarer, ausgebildeter. Und es kann ein mega Geschenk sein, sich von solchen Personen in der eigenen Entwicklung unterstützen zu lassen. Sie sehen Dinge, die man selbst nicht sieht. Sie stellen Fragen, auf die man selbst nicht kommt. Und im Idealfall sehen sie einen Haufen Kapazitäten, Fähigkeiten und Kompetenzen, die man selbst gar nicht bemerkt.
Sie können also helfen, sich selbst zu erkennen.

Doch da ist ein Haken an der Sache: sie sehen durch ihre Augen – nicht Deine. Sie nehmen durch ihre Filter wahr – nicht durch Deine. Sie haben ihre ganz eigenen Prioritäten, Schwerpunkte und Ansichten.

Ihr Wissen ersetzt nicht das Deine.

Doch genau das glauben wir oft. Wir denken sogar, dass ihr Wissen viel mehr und viel richtiger und viel relevanter ist als unseres (wissen wir überhaupt irgendwas?).

Konkret sieht das häufig so aus:
Sie erklären uns ihre Sicht der Dinge und die klingt so schlau, dass wir sie automatisch übernehmen.
Sie berichten uns von ihrer Wahrnehmung und nicht selten sind wir davon so beeindruckt, dass wir unsere eigene quasi abschalten.
Sie vermitteln uns ihre Tools so überzeugend, dass wir gar nicht auf die Idee kommen, dass es noch bessere geben könnte (oder wir am Ende gar keine brauchen).

Was passiert ist, dass wir unser eigenes Wissen, unsere eigene Wahrnehmung und unsere eigene Intuition abschalten oder zumindest ihren Werten und Konzepten unterordnen. Und das ist dann genau das Gegenteil von dem, was wir eigentlich wollten. Entmächtigung statt Ermächtigung.
Wir machen uns doch wieder klein und vertrauen anderen mehr als uns selbst.
Wir folgen anstatt zu führen.

Damit entgeht nicht nur uns persönlich etwas.

Wir enthalten unser einzigartiges Wissen, Wahrnehmen und Erkennen auch der Welt vor.

Denn das, was Du siehst, sieht sonst vielleicht niemand (so).
Deine Wahrnehmung und wie Du sie mit Deinem Wissen in Verbindung bringst, ist einzigartig.
Deine individuelle Kombination aus Wissen, Erfahrung und Talent ermöglicht Dinge und Erkenntnisse, zu denen sonst niemand Zugang an.
Es wäre ziemlich schade, wenn all das ungenutzt bliebe. Aber noch mehr als das: Du würdest der Menschheit einen Bärendienst erweisen. Den Dein Beitrag könnte der entscheidende sein.

Drum ist meine Frage an Dich:

Wen hast Du schlauer, weiter, bewusster, klarer, klüger und wertvoller gemacht als Dich?
Wen hast Du zu Deinem Guru gemacht anstatt der Guru Deines eigenen Leben zu sein?

Welchen Unterschied könnte es machen, das Know-How anderer Menschen als Ergänzung zu betrachten und nicht als Ersatz?

Schafe, die blindlings hinterher laufen gibt es schon genug.
Was fehlt, sind Leader.
Wie anders könnte unsere Welt aussehen, wenn jeder bereit wäre, der Leader zu sein, der er tatsächlich ist?

Herzlichst,
Carolin