Führung in der Luft

In den letzten Jahren hatte ich so meine Probleme mit dem Wort Führung und damit, andere Menschen zu führen. Das kam daher, dass ich einem meiner früheren Lehrer fast blind gefolgt war. Ich war damals so sehr auf der Suche nach Halt im Außen, nach jemandem, der mir sagt, was richtig und falsch ist und was ich tun solle, dass ich einfach nur froh war, so eine externe Autorität gefunden zu haben.
Einige Jahre später erkannte ich dann, dass vieles, was ich von ihm übernommen hatte, gar nicht stimmig für mich ist. Ich fühlte mich sogar manipuliert. Das wiederum führte dazu, dass ich mir schwor, mich nie wieder führen zu lassen – in dem Wissen, dass natürlich jeder Mensch subjektiv ist, jeder Mensch ein Ego und versteckte Absichten hat.
Die Konsequenzen waren: 1. ich wurstelte alleine und misstraute allen Beratern, Lehrern und Trainern, die es da draußen so gibt. 2. ich tat alles dafür, um nur ja nicht selbst in die Führung zu gehen. Das könnte ja manipulativ sein.

Inzwischen weiß ich, dass auch das nicht die Lösung ist. Wir Menschen sind dazu da, uns gegenseitig zu unterstützen. Und das passiert auch und vor allem dadurch, dass diejenigen, die bestimmte Erfahrungen schon gemacht haben, sich in einem speziellen Gebiet schon auskennen und gewisse Fähigkeiten schon erworben haben andere Menschen dorthin führen.

Es ist also ein vollkommen natürlicher Prozess, zu führen und geführt zu werden.

In einigen Bereichen führe ich – zum Beispiel meine Kundinnen und Kunden in die Territorien der Gefühle, der vermischten Gefühle, der Emotionen, des Unterbewusstseins, des Mindsets –, weil ich mich da schon sehr gut auskenne. Und bei anderen Dingen lasse ich mich führen von Menschen, die mir dort schon ein paar Schritte voraus sind. Und ich sag’s euch: das macht so viel mehr Spaß!!!

Inzwischen liebe ich es, zu führen, voran zu gehen, Vorbild zu sein. Und genauso ist es für mich eine unglaubliche Unterstützung, selbst Mentoren zu haben, die mir zur Seite stehen. So lasse ich mich beispielsweise gerade beim Business-Aufbau coachen. Herrlich!
Die Zeiten des Einzelkämpfertums sind vorbei.

Was aber braucht es, damit aus Führung nicht Manipulation wird? Damit Du nicht irgendwann erschreckt feststellst, dass Du Dich – wie ich früher – ver-führen hast lassen?

Ich habe gelernt: es braucht innere Stärke. Es braucht die Fähigkeit, seine eigene Autorität zu sein, klar unterscheiden zu können, was sich stimmig anfühlt und was nicht. Dann nämlich kann ich mich führen lassen und jederzeit selbst darüber bestimmen, ob und wie ich die Vorschläge meiner Mentoren übernehme. Denn Führung ist eine Aneinanderreihung von Angeboten, die der eigenen Expertise entspringen. Und jeder Mensch hat bei jedem einzelnen Angebot die Wahl es anzunehmen oder nicht.

Deshalb geht es in meinen Coachings und Trainings zu Beginn sehr viel darum, meinen Kundinnen und Kunden wieder Zugang zu ihre inneren Stärke und Autorität zu vermitteln. Damit ich selbstverantwortlichen Menschen durch meine Führung die nächsten Entwicklungsschritte ermöglichen kann.

 

Auch Du hast Gebiete, in denen Du anderen helfen kannst, weil Du Dich besonders gut auskennst. Und genauso darfst auch Du Dich unterstützen lassen bei Angelegenheiten, wo Du alleine nicht recht voran kommst.

Übernimm die Führung da, wo es Dein Job ist. Und lass Dich führen, wo Du Neuland betrittst! Es lohnt sich.

Alles Liebe,

Carolin