Waffe

Wir hören viel von Krieg in diesen Tagen. Ab und zu auch von Waffenruhen. Alles relativ weit weg, aber doch irgendwie vor der Haustüre.
Wie aber sieht es mit unserer eigenen Kriegsführung aus? Hier, direkt in unserem Leben?
Wie, Du führst gar keinen Krieg?

Ich lade Dich ein, mal genauer hinzuschauen und zu spüren. Es könnte sehr befreiend und entspannend auf Dich wirken.

Dazu lade ich Dich zu einem Experiment ein.

Am besten jetzt gleich:
Nimm Dir 5 Minuten Zeit und setze Dich an einen ruhigen Ort, wo Du ungestört bist.
Schließe die Augen und atme 3x tief durch.
Und jetzt richte deine Aufmerksamkeit darauf, wie Du in der Welt stehst. Stell dir also Dich selbst vor und den Rest der Welt.
Wie fühlt sich das an? Fühlst Du dich pudelwohl im Kontakt mit der Welt, herzlich willkommen und liebevoll empfangen? Oder bist du eher zurückhaltend, misstrauisch oder sogar ängstlich?
Womit rechnest Du? Mit einer liebevollen Begegnung oder eher mit einem Angriff?
Vielleicht kommen Dir jetzt auch bestimmte Personen in den Sinn oder eine Gruppe von Menschen, mit denen Du zu tun hast.
Nimm einfach wahr, wie es sich für Dich anfühlt. Bist Du locker oder angespannt?
Beobachte einfach, was du empfindest.
Und wenn Du genug hast, öffne langsam die Augen und komm wieder zurück.

Wie lautet Dein Fazit? Lebst du in einer liebevollen Welt und gehst entspannt auf sie zu? Falls dem so ist – herzlichen Glückwunsch! Keep going und vergiss den Rest dieses Artikels.

Solltest Du dagegen eine gewisse Art von Misstrauen oder Angst verspürt haben und vielleicht sogar eine Anspannung deines Körpers, dann lohnt es sich genauer hinzuschauen.

Das bedeutet nämlich, dass Du die Welt in etwa so siehst:
Die Welt ist gefährlich.
Ich muss mit Angriffen rechnen.
Die Menschen sind mir nicht wohl gesonnen, ja vielleicht sogar feindselig.

Das alles führt zu der Konsequenz: Ich muss mich schützen.

Nicht wenige von uns laufen mit diesen unbewussten(!) Überzeugungen durch die Welt. Bildlich gesprochen führen wir ein ganzes Waffenarsenal mit uns mit und halten eine Hand ständig am Abzug. Allzeit bereit, uns zu verteidigen.

Das ist zum einen für uns selbst extrem anstrengend, weil wir ständig auf der Lauer sind, wer uns als nächstes angreift. Wir verwenden Minute um Minute einen beträchtlichen Anteil unserer Energie darauf, unsere Bastion zu verteidigen.
Andererseits begegnen wir (unbewusst) anderen Menschen mit genau diesem Misstrauen. Egal, ob es Fremde sind, unsere Kollegen, unser Chef oder sogar die Menschen in unserem engsten Umfeld. Und da wir überzeugt davon sind, in einer gefährlichen Welt zu leben, fühlen wir uns tatsächlich auch immer wieder angegriffen.

Ein vorwurfsvoller Satz vom Chef, ein falsches Wort vom Partner und schon haben wir unsere Waffen gezückt oder vielleicht sogar schon zurück geschossen. Und der Andere weiß gar nicht, wie ihm geschieht. Er wollte uns nämlich gar nichts böses. Jetzt ist es aber zu spät. Jetzt fühlt es sich nämlich kritisiert, auf den Schlips getreten etc. und verteidigt sich seinerseits. Und im Handumdrehen befinden wir uns mitten auf dem Kriegsschauplatz.

Dass dann kein harmonisches, kooperatives oder gar liebevolles Miteinandersein mehr möglich ist, erschließt sich von selbst.

Aber wir können ja nichts dafür, der Andere hat schließlich angefangen.
Vielleicht ist das Ergebnis unserer Weltsicht aber auch kein offener Kampf, sondern vielmehr ein enttäuschter Rückzug. Dann nämlich, wenn wir uns abgelehnt, ungerecht behandelt oder verunglimpft fühlen. Dann stellen wir die Lanzen auf, machen die Schotten dich und verkriechen uns in das Innerste unserer Festung.  Das Ergebnis ist das gleiche: wir sind für herzliche, nährende Kontakte nicht mehr zugänglich.

Der Schlüssel des ganzen liegt in der Erkenntnis, dass es unsere Weltsicht ist, die dazu führt, dass wir die Welt erleben, wie wir sie erleben. Und, dass es unsere Verteidigungsstrategien sind, die uns um die menschliche Nähe bringen, nach der wir uns so sehr sehnen.

An dieser Stelle lade ich Dich ein, nochmal in das Bild von vorhin einzutauchen. Nimm Dir nochmal ein paar Minuten Zeit und richte deinen Fokus jetzt mal speziell auf deine Verteidigungsmechanismen. Wie schützt Du dich? Womit verteidigst Du dich? Feuerst Du lieber laut und durchschlagend mit einer Kanonenkugel oder lieber kontinuierlich mit dem MG, um sicher zu gehen, dass Du deinen Gegner auch wirklich erwischst? Vielleicht benutzt Du aber auch Pfeile, Schwerter oder Giftspritzen.
Die mutigere, aber auch wahnsinnig erhellende Variante ist es, deine Freunde und Familienmitglieder nach deinen Verteidigungsstrategien zu fragen. Sei Dir sicher, sie können sie Dir ganz genau beschreiben…

Wenn Dir bewusst geworden ist und Du in deinem Alltag beobachtet hast, welche Kriegsmaschinerie Du permanent mit Dir herum trägst und vor allem, was sie Dich kostet, möchtest Du vielleicht den Entschluss fassen, den Kampf zu beenden. Wenn Du dazu bereit bist, dann tue es ganz bewusst. Und Du wirst eine unglaubliche Erleichterung verspüren. Dein gesamter Körper wird sich entspannend. Und Dir wird auf einmal so viel mehr Energie für andere Dinge zur Verfügung stehen…

Leg die Waffen nieder. Es lohnt sich.

Alles Liebe,
Carolin

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