Aus dem Sumpf

Wir stecken im Sumpf. Jeder von uns. Ständig. Und das auch noch freiwillig.
Wir hängen fest im Morast unserer Emotionen.

Jeden Tag finden wir große und kleine Gründe, um wieder dort hinein zu gehen. Der Chef ist ein Arsch, weil er mich von oben herab behandelt. Ich bin frustriert und verzweifelt, weil meine Kinder einfach nicht auf mich hören. Mein Partner ist Schuld, dass unsere Beziehung nicht funktioniert, weil er nie für mich da ist. Auf meine Bewerbung hab ich ne Absage bekommen und bin total enttäuscht.
Beinahe jede Situation in unserem Leben löst Gefühle in uns aus. Doch nur scheinbar entstehen diese Emotionen tatsächlich durch diese aktuelle Gegebenheit. In Wirklichkeit sind sie schon lange in uns. In unserem Körper und unserem Energiefeld sind sie abgespeichert und eingeschlossen. Durch bestimmte Trigger wach gerufen, tauchen sie wie Phönix aus der Asche aus den Tiefen des Unterbewusstseins an die Oberfläche. Und in Sekundenschnelle sind sie für uns total real.

Zum Problem wird das ganze, wenn wir diese Emotionen nach außen projizieren

Wenn wir also äußeren Umständen oder anderen Menschen die Schuld dafür geben, dass wir uns gerade wütend, verletzt, enttäuscht, verlassen etc. fühlen. Dann sind wir mittendrin im Drama aus Vorwürfen, Beschuldigungen oder beleidigtem Rückzug. Eben mitten im Sumpf. Wir sind Opfer unserer Emotionen.
Damit zerstören wir unsere Beziehungen, ziehen uns selbst runter und berauben uns unserer Kraft und Energie – die geht nämlich dahin, wo unserer Aufmerksamkeit ist und verstärkt somit diese Emotionen zusätzlich.

Stellt sich die Frage: warum tun wir’s dann überhaupt?
Offensichtlich haben wir Vorteile davon, uns als Opfer zu fühlen. Natürlich ist es viel leichter, mit dem Finger auf Andere zu zeigen als sich an die eigene Nase zu fassen. Oftmals ist uns die Rolle des Opfer schon ein Leben lang so vertraut, dass uns gar nicht mehr auffällt, wie wir uns darin suhlen.

Wirklich verändern tut dieses Verhalten allerdings gar nichts.

Oder hast Du schon mal erfolgreich Dein Aussehen verändert, indem Du den Spiegel geschminkt, gestylt oder rasiert hast?

Der einzige Weg, solche Emotionen weg zu bekommen ist, sie ganz da sein zu lassen. Ihre Existenz aus der Position eines neutralen Beobachters heraus anzuerkennen und zu würdigen. Und vor allen Dingen die volle Verantwortung dafür zu übernehmen, dass diese Emotion ein Teil von Dir ist und nicht von irgendetwas im Außen verursacht wurde.
In dem Moment, in dem Du beobachten kannst, dass ein bestimmtes Gefühl in Dir aufkommt, bist Du schon nicht mehr mit dieser Emotion identifiziert und nicht mehr gezwungen, sie auszuagieren. Du kannst sie stattdessen wahrnehmen als einen Hinweis darauf, dass es in dir offensichtlich noch unbewusste, ungelöste Verletzungen gibt. So nach dem Motto: „Ach das ist ja interessant, dass ich jetzt wütend/traurig/enttäuscht bin, weil XY dieses oder jenes gemacht hat.“ Auf einmal ist es Deine Wahl, ob Du den Anderen für sein scheinbares Fehlverhalten anklagen willst oder, dankbar dafür bist, dass dieser alte Krempel sich endlich zeigt, damit er aufgelöst werden kann.

Methoden, um solche alten Emotionen zu heilen gibt es übrigens genügend. Für das Auflösen hartnäckiger oder sehr schmerzhafter Emotionen ist es hilfreich, sich Unterstützung zu holen. Unsere Tendenz wieder ins Opfer zu rutschen und den Fehler beim Andern zu suchen, ist ein Jahrzehnte lang eingeschliffenes Muster und entsprechend sehr stark.

Hab Mut, schau hin, bleib dran. Zieh Dich selbst aus dem Sumpf. Es lohnt sich.

Alles Liebe,
Carolin

 

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