Segeln
Wer kennt es nicht, das Gefühl fest zu stecken?! Mit irgendeiner Situation sind wir unglücklich, unzufrieden und haben schon lange das Gefühl, dass es nicht mehr passt (falls es überhaupt jemals gepasst hat) – der Job, die Beziehung, die Wohnung usw.. Doch meistens bleibt es lange Zeit bei dieser latent schwelenden Unzufriedenheit ohne, dass sich wirklich etwas bewegt.
Der Grund für diesen Stillstand ist, dass wir die Alternative noch nicht kennen. Wir wissen zwar, dass der bisherige Weg nicht (mehr) stimmig ist, aber wie es anders gehen könnte, ist uns oft noch gar nicht klar. Und weil wir nicht wissen, wie und wohin es geht, halten wir lieber die Füße still und machen erstmal gar nichts. Wir müssen schließlich zuerst einen Plan haben bevor wir anfangen können, etwas zu verändern. Oder?

Unser Bedürfnis nach Sicherheit ist so groß, dass wir nahezu perfekt vorbereitet sein wollen, zehn Schritte voraus geplant haben sollten und alle möglichen Eventualitäten abgedeckt haben müssen, bevor wir loslegen können. Mit anderen Worten: wir setzen erst die Segel, wenn unser Ziel in Sichtweite direkt gegenüber liegt, drei Wetterberichte übereinstimmend ruhiges Fahrwasser vorhersagen, wir garantiert die erfahrensten Seeleute an Board haben und unser Boot in der Werkstatt noch mal gründlich durchgecheckt wurde.

Für manche Situationen ist das eine sinnvolle und berechtigte Taktik.
Manchmal allerdings stellt uns das Leben vor Aufgaben, deren Ziel und Ausgang vollkommen ungewiss sind. Herausforderungen, die eben nicht im Voraus planbar, kalkulierbar und abschätzbar sind. Situationen, in denen wir – mehr oder weniger – freiwillig ins kalte Wasser springen und schwimmen lernen müssen und keine Ahnung haben, wo das rettende Ufer ist. Im Nachhinein betrachtet erkennen wir solche „Mutproben“ oft als die wertvollsten Erfahrungen und größten Entwicklungsschritte – aber wehe, wir stehen kurz davor oder mittendrin…
Was uns treibt ist ein Gespür von „da muss es noch was anderes geben“ oder ein intuitives Wissen wie „ich muss das jetzt so machen“. Es fühlt sich einfach richtig und stimmig an, auch wenn es mit rationalen Argumenten nicht zu begründen ist.
Und dann kommt die Angst. Die Angst, nicht zu wissen, wie es geht, wohin es geht, wie wir dort zurecht kommen. Existenzängste in den verschiedensten Ausprägungen. Und an diesem Punkt stellt sich die entscheidende Frage: haben wir genug Vertrauen in uns selbst und das Leben oder lassen wir uns von unseren Ängsten zurück halten?
In einem Sprichwort heißt es: „Dort wo die größte Angst ist, liegt das größte Potential.“
Wenn wir uns daran halten, ist ziemlich klar, was zu tun ist. Nicht im Harakiri-Stil, sondern unserer inneren Stimme folgend. „Tu, was du fürchtest und die Furcht stirbt“. In dem Moment, in dem wir uns wirklich entscheiden und den ersten Schritt machen, bekommen wir einen unglaublichen Energieschub. Sobald wir die Segel hissen und die Leinen los machen, kommt der Wind auf. Nicht vorher. Wir müssen zuerst die Notwendigkeit schaffen, dann kommen Unterstützung, Wissen und Fähigkeiten automatisch zu uns, so wie wir es brauchen. Aber eben nur dann, wenn wir es wirklich brauchen. Das Universum erlaubt keine Vorratshaltung an solchen Ressourcen, sie sind viel zu kostbar.
Und was, wenn wir noch gar nicht wissen, was genau zu tun ist? Die Gesetzmäßigkeit lautet: du musst dich zuerst in Bewegung setzen, damit die seitlichen Kräfte dich treffen können. Das heißt, solange wir an Ort und Stelle verharren, bieten wir dem Universum/dem Leben/Gott/…(setze selbst einen für Dich passenden Begriff ein) keine Möglichkeit uns zu lenken. Wenn wir los laufen, sind wir im Spiel, mittendrin. Dann ereignen sich Zufälle,
Begegnungen, Impulse, die uns vorwärts bringen. Oftmals in eine ganz andere Richtung als ursprünglich gedacht. Darin liegt der Sinn und Zweck des Losgehens. Wir machen einen Plan, um anzufangen und in kürzester Zeit wird dieser Plan über den Haufen geworfen und es ergeben sich ganz neue, vorher unbekannte Möglichkeiten. Das ist der einzige Grund, warum es sich lohnt einen Plan zu machen: anzufangen. Der Weg entsteht dadurch, dass wir ihn gehen. Das entscheidende ist, dass wir gehen.
Goethe hat es so formuliert:
„Was auch immer Du kannst oder Dir vorstellst, dass Du es kannst, beginne es. Kühnheit trägt Genius, Macht und Magie in sich. Beginne jetzt.“ *
Wann auch immer du also das Gefühl hast, fest zu stecken und nicht zu wissen, wo der Ausweg ist: setz die Segel und fahr los! Der Wind wird Dich in die richtige Richtung treiben.
Alles Liebe,
Carolin
* vollständiges Zitat:
„In dem Augenblick, in dem man sich endgültig einer Aufgabe verschreibt, bewegt
sich die Vorsehung auch. Alle möglichen Dinge, die sonst nie geschehen wären,
geschehen, um einem zu helfen.
Ein ganzer Strom von Ereignissen wird in Gang gesetzt durch die Entscheidung,
und er sorgt zu den eigenen Gunsten für zahlreiche unvorhergesehene Zufälle,
Begegnungen und materielle Hilfen, die sich kein Mensch vorher je so erträumt
haben könnte.
Was immer Du kannst, beginne es. Kühnheit trägt Genius, Macht und Magie.
Beginne jetzt.“
Johann Wolfgang v. Goethe

[optinform]