Kennst du das Gefühl, nicht gehört zu werden? Du bittest um etwas und dein Wunsch verpufft im Nirvana? Du lehnst etwas ab und kriegst es trotzdem aufgedrückt? Und du verstehst die Welt nicht mehr und fragst dich, wozu du dir eigentlich den Mund fusselig redest?

Das könnte daran liegen, dass deine Bitte, dein „Nein“ beim Anderen gar nicht landet.

Wie? Du meinst, du hättest es doch klar und deutlich gesagt? Da muss das Gegenüber ja taub sein, wenn es dich nicht hört!?
Es könnte hilfreich für dich sein, zu wissen, dass es einen großen Unterschied gibt, zwischen eine Grenze setzen und eine Grenze landen.
Du kannst 100 Mal einen Wunsch mitteilen oder ein „Hör auf“ äußern – wenn es nicht im Körper deines Gegenübers landet, verschwindet es ungehört in den Weiten des Universums.
Um dein Anliegen wirklich beim Anderen zu landen, müssen ein paar Bedingungen erfüllt sein

Erstens brauchst du deine Wut.

Ja, genau. Dieses ach so verpöhnte Gefühl, das in unserer Gesellschaft so oft als undiszipliniert und zerstörerisch abgelehnt wird. Glücklicherweise führt die Verdrängung deiner Wut nicht zu ihrem Verschwinden und du hast jederzeit Zugang zu ihr. Je nach dem, wie stark und vehement du etwas mitteilen willst, brauchst du unterschiedlich viel oder wenig Wut. 3 Prozent können zum Beispiel genug sein, wenn du deinen Kollegen bittest, beim Kaugummikauen den Mund zu zu machen. Um als Frau einen aufdringlichen Mann in die Schranken zu weisen brauchst du dagegen unter Umständen 20 oder mehr Prozent Wut. Dabei geht es nicht alleine um die Lautstärke. Es geht vor allem auch um deine Körperhaltung und die Energie die du damit rüber bringst.

Außerdem muss deine Formulierung klar und auf dich bezogen sein.

Schwammiges Rumgedruckse wie „Ich finde es nicht so gut, wenn du beim Essen unangenehme Geräusche machst“ oder „Hier zieht es so. Meinst du, wir könnten vielleicht, unter Umständen, die Tür zu machen? Aber nur, wenn es wirklich ok für dich ist!?“ funktionieren genauso wenig wie Vorwürfe à la „Immer lässt du die Tür offen stehen!“ oder „Du musst doch wissen, dass dein Geschmatze beim Essen mich nervt!?“. Stattdessen sag klar und deutlich, was du brauchst. Zum Beispiel: „Michael, würdest du bitte die Tür zu machen?“ oder „Ich möchte, dass du anklopfst, bevor du mein Zimmer betrittst.“.

Und zu guter Letzt: platziere deinen Wunsch oder deine Grenze wirklich im Körper des Anderen.

Wenn du von Kopf zu Kopf sprichst, geht das Gesagt zu einem Ohr rein und zum anderen wieder raus. Achte darauf, direkt in den Körper zu sprechen. Dazu kannst du dir vorstellen, die Botschaft in der Brust der anderen Person zu landen.

Hast du Lust, damit zu experimentieren? Hier sind ein paar Ideen:

  • Wenn du merkst, dass deine Aussage untergegangen ist, frag den Angesprochenen sofort, wie er dich und deine Kommunikation wahrgenommen hat. Sinnvollerweise beginnst du mit Menschen, die dir wohl gesonnen sind und dir gerne konstruktives Feedback geben.
  • Frag deine Familie, Freunde und andere dir nahe stehende Personen, wie deine Kommunikation generell auf sie wirkt; Lass dir Feedback zu verschiedenen Aspekten geben wie Stimmlage, Lautstärke, Körperhaltung, Augenkontakt, Ausdrucksweise etc.
  • Wenn du sehr mutig bist, bitte eine Person, dein Sparringspartner zu sein: Ihr stellt euch gegenüber und haltet jeweils mit einer Hand das Ende eines Handtuchs (mit der rechten Hand, wenn ihr Rechtshänder seid). Ihr solltet soweit auseinander stehen, dass das Handtuch fast gespannt ist. Dann sagst du laut und deutlich „Nein“ oder „Stopp“ und berücksichtigst dabei die o.g. Hinweise. Während du das tust, ziehst du das Handtuch ruckartig und kraftvoll zu dir, als ob du es deinem Gegenüber wegnehmen wollen würdest. Die andere Person hält fest und gibt dir Feedback dazu, wie deine Grenze bei ihr gelandet ist. Probiere unterschiedliche Variationen aus von Stimmlage, Lautstärke, Länge der Wörter, Geschwindigkeit des Zugs, Augenkontakt, Ausdrucksweise etc. Anschließend könnt ihr die Rollen wechseln, so dass du selbst erfährst, wie unterschiedlich die gleiche Aussage landen (oder nicht landen) kann.
Viel Spaß beim Experimentieren – und lass mich wissen, was du herausgefunden hast!
Carolin

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