Groll
Wir alle erleben es immer wieder: Situationen, in denen wir uns von anderen Menschen unfair behandelt, zurückgewiesen, sitzengelassen oder zu unrecht kritisiert fühlen. Kurz um: wir fühlen uns verletzt.

Und wir sind uns ganz sicher, dass die andere Person sich echt daneben benommen hat oder einfach ein Charakterschwein ist.

Um auf solche Ereignisse zu reagieren, gibt es zwei Möglichkeiten:
Die eine und die für uns gewohnte Art besteht darin, die Schuld beim Anderen zu suchen. Wir beschweren uns beispielsweise direkt oder indirekt (bei Freunden und Familie) über sein Fehlverhalten, wir schießen zurück und üben Vergeltung (auch unbewusst), wir ziehen uns beleidigt in unser Schneckenhaus zurück oder ziehen Konsequenzen daraus, um uns so etwas nicht gefallen zu lassen. Wir sind also voll im Drama. Stunden- oder sogar tagelang kreisen unsere Gedanken um diesen Vorfall, wir stellen uns vor, wie wir der anderen Person die Leviten lesen oder uns rächen. Wir tragen immensen Groll in uns und fühlen uns absolut im Recht.

An der Situation selbst ändert sich dadurch gar nichts. Dafür passieren zwei andere Dinge: die Beziehung zu diesem Menschen geht (zumindest vorübergehend) flöten. Und ein Großteil unserer Energie und Aufmerksamkeit geht in diesen Konflikt anstatt in die Projekte und Ziele, die uns eigentlich am Herzen liegen.

Groll zu hegen kostet wahnsinnig viel Energie und ist der Beziehungs-Killer Nummer eins!

Aber was tun, wenn die Emotionen so stark sind? Wir fühlen uns ja tatsächlich schwer getroffen.

Es gibt einen Schlüssel, um solche Situationen um 180° zu drehen:

erkenne, was die andere Person Dir spiegelt.
Alles, was wir im Außen erleben, ist ein Spiegel unserer Innenwelt. Immer, immer, immer. Auch, wenn wir es oft nicht wahrhaben wollen. Auch, wenn es viel einfacher ist, jemand anderes verantwortlich zu machen anstatt selbst die Verantwortung zu übernehmen.

Doch wenn Du wirklich etwas verändern willst, kommst Du nicht umhin, bei Dir zu suchen.

Folgende Fragen können Dir helfen, herauszufinden, was dein Gegenüber Dir spiegelt:

 

  • Wo zeige ich ähnliche Verhaltensweisen und möchte es nicht wahrhaben?
  • Wo verkörpere ich das genaue Gegenteil? Wo bin ich selbst zu extrem?
  • Wo gehe ich mit mir selbst so um, wie ich mich durch den anderen behandelt fühle?
  • Wo lebt der andere etwas aus, das ich mir nicht erlaube zu leben?
  • An welche früheren Erfahrung erinnert mich diese Situation?

Robert Betz nennt Menschen, die solch starke Reaktionen in uns auslösen „Arschengel“. Weil der Arsch zum Engel wird, in dem Moment, wo wir erkennen, dass er uns Hilft, unsere unbewussten Anteile, Emotionen und Verhaltensweisen zu erkennen. Ohne solche Trigger-Typen könnten wir uns dieser versteckten Verletzungen, unterdrückten Sehnsüchte oder ungesunde Extreme nicht erkennen.

Welche Personen, welches Verhalten triggert Dich besonders?

Das nächste Mal, wenn so etwas passiert, hast Du die Wahl, ins Drama zu gehen oder Dich für die Chance zu wachsen zu bedanken.

Dieser Schritt kostet Mut und Überwindung. Nicht selten liegen schmerzhafte Verletzungen darunter verborgen. Du kannst davon ausgehen: je stärker Deine Reaktion ausfällt und je sicherer Du bist, dass definitiv der andere Schuld ist, umso wichtiger ist es, bei Dir selbst zu schauen.

Übernimm die Verantwortung für Deine Projektionen. Es lohnt sich!

Alles Liebe,
Deine Carolin