Selbstliebe

„Fuck, hab‘ ich Angst!“

Dieser Gedanke schoss mir kürzlich wie ein unerwarteter Blitz durch den Kopf und versetzte mein Herz für einen Moment in Schockstarre.

„Angst, dass sie mich richtig scheiße finden.“, dämmerte es mir.

Wer „sie“ sind? Naja, im Grund genommen fast alle Menschen, die mir in irgendeiner Form nahestehen: meine engsten Freunde, mein Team, meine Kunden (interessanterweise kommen mein Freund und meine Familie nicht in der Auflistung vor…).

Was war geschehen? Seit einigen Tagen beschäftige ich mich mit der Frage: „Was bedeutet Selbstliebe eigentlich?“. Und was bedeutet es für mich konkret? Heute möchte ich dich teilhaben lassen an einigen Erkenntnissen, die ich selbst in diesem Zusammenhang hatte. Denn es stellte sich heraus, dass Selbstliebe im Alltag so einige Herausforderungen mit sich bringt, denen ich persönlich lieber ausweichen würde…

 

Was will ICH eigentlich?

Selbstliebe heißt für mich auch, dass ich tue, was sich für mich gut und richtig anfühlt. Das setzt allerdings voraus, dass ich weiß, was das überhaupt in der jeweiligen Situation ist.

Denn wie bequem ist es, einfach andere Menschen entscheiden zu lassen? Du möchtest in dieses Café gehen, diesen Film sehen, an jenem Felsen klettern? Ja gut, dann machen wir das so. Entscheidung abgenommen. Im Zweifelsfall kann ich später sogar noch eine spitze Seitenbemerkung vom Stapel lassen, denn schließlich war es ja „deine Idee, dass zu machen!“.

Selbstliebe bedeutet für mich, mich in jedem Moment des Tages zu fragen: „Ist das, was ich gerade tue wirklich das, was ich will? Ist es wirklich stimmig für mich? Fühlt es sich richtig an?“ Das können im Einzelfall ziemlich unbequeme Fragen sein.

Zum einen wird dir dann möglicherweise bewusst, wie oft – bei großen und kleinen Dingen – die ehrliche Antwort eigentlich „nein“ lauten müsste.

„The truth will set you free. But first it will piss you off.”

 

Andererseits wirst du dann unter Umständen feststellen, dass du gar nicht so genau weißt, was eigentlich deine ganz eigene Wahrheit ist. Der Wunsch-Erfüller für alle anderen zu sein und es sich zur Aufgabe zu machen, alle anderen glücklich zu machen, ist also auch eine Form der Verdrängung. Ablenkung von der Konfrontation mit sich selbst und so einigen nagenden Fragen, auf die man ad hoc keine Antworten findet.

 

Was sind die Konsequenzen?

Angenommen, du weißt in der jeweiligen Situation, was du willst – setzt du es auch um?

Manchmal wird dir das vermutlich ganz leicht fallen. Nach einigen Jahren der Selbstgeißelung hast du vielleicht inzwischen schon so viel Selbstachtung entwickelt, dass du dich in die Badewanne fläzt, wenn du eine Auszeit brauchst oder konsequent zu deiner Yoga-Stunde gehst (ok, meistens jedenfalls).

Doch der viel wahrscheinlichere Fall ist, dass eine Entscheidung für dich eine Entscheidung gegen die Erwartungen und Bedürfnisse anderer ist. Autsch!

Das ist der Fall, der mich persönlich am meisten herausfordert. Gerade sehr sensible Menschen spüren sehr genau, was andere von ihnen erwarten oder was ein „Nein“ beim anderen auslöst (im August letzten Jahres habe ich diesen Zusammenhang in einem sehr erhellenden Interview mit meiner Mentorin und Freundin Liane Nova erörtert).

 

Mir persönlich machen dabei zwei Aspekte zu schaffen:

Einerseits spüre ich den Schmerz der anderen Person darüber, dass ich ihren Erwartungen und Bedürfnissen nicht gerecht werde oftmals schon bevor ich mein „Nein“ überhaupt ausspreche. Bei Menschen, die recht abgeschnitten von sich selbst sind, nehme ich die „Verletzung“ sogar intensiver wahr als die Person selbst.

Das führt dazu, dass ich dazu tendiere, die Klappe zu halten und mich anzupassen, um nur den anderen nicht zu enttäuschen.

Kommt dir das bekannt vor?

Von vielen meiner KundInnen weiß ich, dass es ihnen oft ähnlich geht. Doch darunter liegt bei genauerer Betrachtung auch eine subtile Art von Übergriffigkeit. Denn in dem Moment versuche ich, die andere Person vor ihren eigenen Emotionen zu beschützen. Und damit sage ich unbewusst: „Ich traue dir nicht zu, dass du das handeln und daran wachsen kannst.“.

Eine Unterscheidung ist in diesem Zusammenhang absolut essentiell:

Wir sind nicht dafür verantwortlich, wie andere auf uns oder unser Verhalten reagieren.

 

Das heißt, wenn jemand enttäuscht, beleidigt, verletzt, gekränkt oder trotzig reagiert, sind das seine(!) alten Emotionen, die getriggert werden. Die kann er sich anschauen (wenn er bereit ist, die Verantwortung dafür zu übernehmen) oder auch nicht (wenn er es vorzieht, lieber weiterhin Opfer zu bleiben). Aber es ist nicht unser Job, ihn vor diesen Emotionen zu beschützen. Ehrlich gesagt, ist das auch gar nicht möglich, denn sie sind ja so oder so da.

(Anmerkung: Bei Menschen, die uns nahe stehen empfiehlt es sich, dennoch in den Dialog darüber zu treten, um weiterhin in Kontakt zu bleiben. Denn die andere Person kann mit großer Wahrscheinlichkeit in der jeweiligen Situation nicht sofort den Zusammenhang erkennen. Zu diesem Thema sollte ich wohl mal einen eigenen Kurs anbieten ;-)).

Hier kommt dann der zweite Aspekt ins Schaffen, den es auszuhalten gilt: Die Bewertungen, die die andere Person uns dann automatisch entgegenbringt (ob ausgesprochen oder nicht). Wenn wir Grenzen setzen, unsere Meinung sagen, für unsere Bedürfnisse eintreten, sind wir unbequem. Wir konfrontieren, wir widersprechen und wir stellen in Frage. Wir funktionieren nicht einfach, wie gewünscht und erwartet (Ach ja, darüber wie Erwartungen unsere Beziehungen zerstören spreche ich dann wohl auch in oben genanntem Kurs ;-)).

Das führt zu Reaktionen beim Gegenüber und im Zweifelsfalls findet er oder sie das gar nicht toll. Und jetzt wird’s kritisch: Denn dieser Unmut kollidiert unter Umständen enorm mit unserem ganz natürlichen Wunsch, geliebt zu werden!

Die ach so propagierte „bedingungslose Liebe“ haben die wenigsten von uns nämlich wirklich voll umfänglich genossen. Vielmehr wurden wir gelobt, wenn wir etwas gut und richtig gemacht haben, und getadelt, wenn wir uns widersetzt haben.

Das bedeutet, in uns ist ganz tief verankert: „Wenn ich geschimpft werden, werde ich nicht geliebt.“ (ich wähle an dieser Stelle ganz bewusst diese kindliche Ausdrucksweise, denn in dieser Form ist es bei den meisten von uns seit Kindesbeinen an abgespeichert). Autsch Nummer zwei!

Wenn wir uns selbst lieben wollen, bleibt uns also nichts anderes übrig, als uns in der Bereitschaft zu üben, dass andere – auch unsere Liebsten – uns zumindest temporär richtig kacke finden.

Ein wichtiger Schlüssel dazu ist anzuerkennen, dass Wut und Liebe gleichzeitig existieren können. Wenn jemand sauer auf uns ist, bedeutet es eben nicht, dass es uns grundsätzlich nicht mehr mag. Es bedeutet lediglich, dass er mit unserem Verhalten nicht einverstanden ist. Um das nochmal ganz deutlich zu sagen:

Die eigene Selbstliebe wirklich ernst zu nehmen und zu leben bedeutet ganz automatisch, andere Menschen zu enttäuschen.

 

Du musst also dein Image als „Der/Die Liebe und Nette“ ein für alle Mal der Müllabfuhr übergeben. Ein, wie ich finde, sehr radikaler Schritt. Aber auch ein sehr heilsamer.

Ich persönlich glaube, dass Selbstliebe zu praktizieren wahrscheinlich eine lebenslange Herausforderung ist. Es wird immer leichter und leichter, je öfter wir unsere Angst vor dem Nichtwissen und der Ablehnung überwunden haben (und dabei nicht gestorben sind), aber gleichzeitig werden uns auch immer feinere, subtilere Nuancen der Anpassung und des Selbstverrats bewusst.

Nun kannst du für dich entscheiden, ob deine Selbstliebe-Praktiken über das Level von stimmungsvollen Meditationen und „Ich nehme mich an, wie ich bin“-Affirmationen hinaus gehen sollen. Die sind erste Schritte, keine Frage. Aber wahre Selbstliebe wird gelebt – im Alltag. Mit all den Zweifeln, Konflikten und Emotionen.

 

Was es dabei zu gewinnen gibt?

Naja, zum einen natürlich ein erhebliches Maß an Gesundheit und Freiheit für dich persönlich: emotional, mental, energetisch und körperlich.

Doch dieses Thema zieht viel weitere Kreise: Stell dir vor, jeder Mensch würde volle Verantwortung für sich, sein Wohlbefinden und seine Bedürfnisse übernehmen.

Wie entspannt wäre dann das tägliche Miteinander, weil wir immer sicher wüssten, dass alle Aussagen und Handlungen des anderen wirklich „echt“ sind? Wenn unsere beste Freundin sich mit uns trifft, könnten wir sicher sein, dass sie darauf auch wirklich gerade Lust hat. Wenn ein Freund uns beim Umzug hilft wüssten wir, dass er es aus freien Stücken und nicht aus einem falsch gemeinten Verpflichtungsgefühl tut. Und die Männer könnten endlich sicher sein, dass die Frau auch wirklich Lust auf Sex hat, wenn es passiert *g*.

Alles ist möglich. Auch für dich!

Herzlichst,

 

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