Beschluss
In dieser Welt sind wir es gewohnt, nach Antworten zu finden. Wir möchten „wissen, woran wir sind“ und wollen Klarheit haben – in jeglicher Hinsicht.
Wir haben uns angewöhnt, die Dinge zu kategorisieren und einzuordnen.
Dazu benutzen wir in erster Linie Schlussfolgerungen. Eine Schlussfolgerung entsteht, indem wir basierend auf bestimmten Fakten eine Annahme treffen und diese dann „beschließen“. (Wikipedia).

Schlussfolgerungen zu treffen und für wahr zu halten sind der beste Weg, Veränderung zu vermeinden.

Was meine ich damit?

In dem Moment, in dem Du beschließt, dass etwas „so ist“, schließt Du alle weiteren Möglichkeiten aus. Du bemerkst vielleicht, dass in all diesen Sätzen sehr oft das Wort „schließen“ vorkommt. Etwas zu beschließen schließt gleichzeitig alles andere aus.

Macht Sinn, oder?

Lass mich einige Beispiele nennen:

a) Wenn Du in Dir eine bestimmte Stimmung, eine bestimmte Energie wahrnimmst, versuchst Du es einzuordnen und beschließt, dass Du beispielsweise traurig bist. Punkt. Ab diesem Moment gibt es nichts mehr daran zu rütteln.

b) Wenn es in einer Beziehung nicht rund läuft und Du Dir lange genug das Hirn drüber zermahlt hast, beschließt Du irgendwann, dass ihr einfach nicht zusammen passt. Ende, aus, Amen.

c) Mir selbst ist kürzlich klar geworden, dass sehr viele medizinische Diagnosen „Beschlüsse“ sind. Da wird eine Untersuchung gemacht (=Befund), diese wird interpretiert und daraufhin eine Schlussfolgerung gestellt. Zum Beispiel weist Deine Haut bestimmte Merkmale auf und dann wird Neurodermitis diagnostiziert.

Alles ganz normal, oder?
Normal ja. Aber wieviel Spielraum hast Du in diesen Situationen noch, etwas zu verändern? Wenig oder keinen?

Ich lade Dich dazu ein, künftig auszuprobieren, was passiert, wenn Du unterscheidest zwischen einem Gewahrsein und einer Schlussfolgerung.

Das geht so: wenn Du etwas wahrnimmst, kannst Du als erstes mal fragen „Was ist das?“ oder „Worum geht’s hier eigentlich?“. Dann kannst Du weitere Fragen stellen wie „Was mache ich damit?“, „Kann ich es ändern?“ und „Wie kann ich es ändern?“.
Bei all diesen Fragen geht es nicht darum, Antworten zu finden und festzunageln. Vielmehr kannst Du „in der Frage sein“. Offen für Antworten, die Dich finden, offen für Erkenntnisse.

Zurück zu oben genannten Beispielen:

a) In diesem Fall würdest Du einfach eine bestimmte Energie wahrnehmen (=Gewahrsein). Dann könntest Du Fragen stellen und würdest vielleicht erkennen, dass es gar nicht Deine Energie ist oder dass Du gar nicht traurig bist, sondern Dein Körper gerade die bisher in ihm abgespeicherte Energie von Traurigkeit loslässt. Oder, oder, oder.

b) Im zweiten Beispiel würdest Du vielleicht wahrnehmen, dass es sich nicht (mehr) stimmig anfühlt, mit dieser Person eine Paarbeziehung zu führen. Wenn Du aber nicht beschließt, Dich trennen zu müssen, könntest Du auf die Idee kommen, dass eine andere Art von Beziehung mit dieser Person wunderbar funktionieren könnte (z.B. ein Hobby miteinander teilen, Sex haben oder inspirierende Gespräche führen).

c) Wenn Du nicht automatisch die Diagnose der Ärzte abkaufst, könntest Du einfach eine Veränderung Deiner Haut wahrnehmen und beginnen, Deinen Körper zu fragen: „Was ist das?“, „Was möchtest Du mir hier mitteilen?“, „Wie können wir das verändern“ etc.

Erkennst Du, dass Du in allen Beispielen mehr Möglichkeiten hast, die Dinge zu betrachten und zu verändern, wenn Du nicht „beschließt“, was es ist, sondern wahrnimmst und Fragen stellst?

Wo überall hast Du Dich selbst in die Sackgasse manövriert und Veränderung unmöglich gemacht, indem Du Schlussfolgerungen getroffen oder von anderen übernommen hast?

Was wäre möglich, wenn Du all diese Schlussfolgerungen zurücknehmen und stattdessen beginnen würdest, Fragen zu stellen?

Herzlichst,
Carolin

 

[optinform]