Mein Weg II

So, da stand ich nun also: frisch gekündigt und arbeitslos.
Mit 28 Jahren im besten Alter, in der Tasche das Einser-Diplom, diverse Praktika, Auslandsaufenthalte und Zusatzausbildungen – kurzum: perfekte Voraussetzungen für eine Karriere in der Pharma- oder Biotech-Industrie. Nur leider sollte der rote Faden, der sich durch meinen aalglatten Lebenslauf zog an dieser Stelle ein jähes Ende finden.

„Was willst du denn jetzt machen?“
„Ich weiß es nicht. Erstmal brauch‘ ich eine Auszeit.“
„Aber willst du dein Studium und das alles jetzt einfach so wegwerfen?“
„Ich weiß es nicht. Ich muss erstmal rausfinden, was ich will.“
„Naja, aber du findest sicher woanders schnell wieder was.“
„Ja, aber das will ich nicht.“
Schweigen.

So in etwa lief über Wochen  hinweg quasi jede Kommunikation ab. Und ich konnte es niemandem verübeln, ich verstand mich ja selbst nicht.

Aus der ach so geradlinigen, selbstbewussten Überfliegerin war eine an sich und der Welt zweifelnde Sinn-Suchende geworden.

Die ersten 3-4 Monate schaffte ich es tatsächlich, abzuschalten und meine neu gewonnene Freiheit zu genießen. Ich war viel unterwegs und ständig beim Klettern – was für ein Leben! Doch wie zu erwarten war, hatte die schnörkellose Realität mich ratz-fatz wieder eingeholt: ich hatte keinen blassen Schimmer, wie es weitergehen sollte.

Ein Berufsfindungs-Coaching bei einer erfahrenen Beraterin sollte Klarheit bringen. Ich sortierte also brav Kärtchen auf Stärken- und Schwächenstapeln, entwarf Mindmaps und erinnerte mich an meine Lieblingsbeschäftigungen als Kind.
Ergebnis: ich sollte in die Naturkost-Branche oder zumindest irgendwas mit Nachhaltigkeit machen. Das würde mehr zu mir und meinen Werten passen. Zu dieser Zeit brach meine Sehnsucht nach einem Leben an den Bergen wieder voll durch. Es folgten zig Vorstellungsgespräche zwischen Bozen, Innsbruck und Sankt Gallen, aber irgendwie passte „es“ nie. Bei einem renommierten Bio-Unternehmen wollte man mich unbedingt als Key Account Manager haben, ich wäre die perfekte Kandidatin. Aber irgendwie sah ich im Verkauf des 150. Brotaufstrichs an Edeka oder Rewe kaum mehr Sinn als im Verkauf künstlicher Gene.

Meine Verzweiflung näherte sich dem Maximum: es schien einfach keinen Job zu geben, der sich für mich gut anfühlte.

(die Idee der Selbstständigkeit war zwischendurch mal für ein Mini-Sekündchen aufgeflackert; schließlich hatte ich nebenberuflich schon eine Coaching-Ausbildung gemacht – nur für mich persönlich natürlich – und hatte dabei gemerkt, wieviel Spaß mir diese Arbeit machte; aber ich war ja viiiiiiel zu jung und unerfahren und hatte viiiiel zu wenig Ausbildungen; das käme also vielleicht 20 Jahre später in Betracht; jetzt ganz sicher nicht)

Zu diesem Zeitpunkte steckte ich bis zum Hals in Selbstzweifeln. Ich konnte nicht verstehen, warum ich nicht einfach irgendeinen Job machen konnte, so wie alle anderen auch. Ich hing in der Luft zwischen der Gewissheit, nicht mehr zurück ins alte System zu wollen und der absoluten Leere auf der anderen Seite, wo sich einfach kein gangbarer Weg abzeichnen wollte. Ich war zutiefst überzeugt davon, dass mit mir etwas nicht stimmte und mir auch nicht zu helfen war (ich hatte ja durchaus schon einiges ausprobiert…).

Auf meiner aussichtlosen Suche nach meiner Bestimmung, meiner Lebensaufgabe und dem Sinn meines Lebens las ich unzählige Bücher, vertiefte mich in spirituelle Weltanschauungen und besuchte den ein oder anderen Workshop, der sich irgendwie spannend anhörte. Ich hatte ja Zeit.

Zufriedenstellende Antworten auf meine drängenden Fragen fand ich allerdings kaum.

Bis zu einem denkwürdigen Wochenende im Mai 2011. Wie aus heiterem Himmel war ich bei einem 3-tägigen Expand-the-Box Training gelandet. Dieses Seminar stellte mein komplettes Selbst- und Weltbild komplett auf den Kopf, so viele Puzzleteilchen fügten sich auf wundersame Weise zusammen und plötzlich schien ich doch gar nicht mehr so falsch zu sein. Ich war angefixt, wollte unbedingt mehr davon und besuchte nach quälenden 3 Monaten des Wartens (kein freier Platz mehr) endlich ein Aufbau-Training. Und dann noch eins und noch eins und noch eins. Plötzlich bekam ich Antworten auf meine Fragen, endlich gab mir jemand konkrete Werkzeuge an die Hand. Nach Jahren des Doppellebens brachen meine um mich selbst errichteten Mauern zaghaft auf. Angenehm war das weiß Gott nicht, aber immerhin schien etwas in Bewegung zu kommen.

In das dritte solche Training ging ich mit der Entschlossenheit, endlich Klarheit über meine berufliche Zukunft zu bekommen. Heraus kam ich mit der Entscheidung mich selbstständig zu machen. Mit einem Mal war alles völlig klar: diese Unterscheidungen und Werkzeuge mussten unter die Leute! Ich war der Meinung, jeder Mensch müsse diese grundlegenden Dinge über Gefühle, Kommunikation, unbewusstes Handeln etc. wissen.

Und ich spürte plötzlich, dass es auch meine Aufgabe war, dieses Wissen unter die Leute zu bringen.

Als ob es so ein sollte, wohnte ich zu diesem Zeitpunkt wieder in meinem Elternhaus, wo ich eine eigene Wohnung unterm Dach habe. Ich kam also von diesem Training nach Hause und noch am selben Abend unterbreitete ich meinen erstaunten Eltern den Plan und bat sie, einen geeigneten Raum im Keller dafür herrichten und nutzen zu dürfen.
Ich glaube, sie haben das damals als eine weitere übergeschnappte Idee betrachtet (es wäre nicht die erste gewesen, die schnell wieder verpuffte), aber sie kannte mich auch gut genug, um zu wissen, dass Widerstand und Einwände in dieser Situation eiskalt an meiner Sturheit abgeprallt wären. Wenn ich mir etwas in den Kopf setze, stellt sich mir besser niemand in den Weg…

Voll motiviert verlegte ich also selbst Teppich, tapezierte und richtete meinen Coaching-Raum ein. Es war schnell klar, dass eine professionelle Website und Flyer her mussten („professionelles Auftreten“ war mir damals mega wichtig, schließlich wollte ich Coach werden, da war das in meinen Augen essentiell) und durch den Kontakt einer Freundin bekam ich beides zum Spezialpreis im Tausch gegen ein paar Coachingstunden. 10 Sitzungen bei einer Gründungsberaterin sollten mir ausserdem helfen, mein Business in Gang zu bringen.

Es war also alles bereit, um so richtig durchzustarten.

Jedenfalls im Außen. In mir drin taten sich jedoch urplötzlich Abgründe auf: Existenzängste vom feinsten (rational völlig unbegründet, aber dennoch sehr präsent) und in dieser Intensität nie da gewesene Selbstzweifel (heute weiß ich, dass sehr vieles davon nicht meins war, sondern übernommen von meiner direkten Umgebung; hätte ich das bloß damals schon gewusst!!!).

Wie um alles in der Welt sollte ich denn mit Coachings und Trainings genug Geld verdienen, um gut davon leben zu können?

An vielen Tagen war ich wie gelähmt, wusste nicht, wo anfangen und bekam schier gar nichts auf die Reihe.

Heute weiß ich, dass ich völlig unklar war darüber, was meine Botschaft sein sollte und vor allem, wen ich damit erreichen wollte (deshalb piesacke ich meine Kundinnen heute so penetrant, absolute Klarheit über ihren Wunschkunden zu bekommen ;-)). Ich hatte also praktisch einen Bauchladen und nahm jeden, denn „man ist ja am Anfang froh, wenn man überhaupt einen Kunden bekommt…“. Katastrophe. Kein Wunder, dass ich keinen Ahnung hatte, wie das alles funktionieren sollte. Vorträge und Workshops kunterbunt gestreut in Hotels, beim Hausfrauenbund, Gartenverein und der VHS waren meine Übungsfelder und brachten zu meinem Erstauen doch die ein oder andere Kundin.

Dennoch war ich meilenweit davon entfernt, auch nur annähernd davon leben zu können. Ein Nebenjob in der Boulderhalle diente zumindest, um regelmäßig ein paar Kröten auf’s Konto zu bekommen und mir die Krankenversicherungsbeiträge zu ersparen. Allerdings ging dadurch auch sehr viel Zeit drauf, die mir in meinem Business fehlte. Keine Dauerlösung.

Und dann war da immer noch dieser quälende Wunsch, an den Bergen zu leben.

Wenn ich in meinem Umfeld andeutete, dass Erlangen nur eine Übergangslösung ist und ich eher früher als später wegziehen würde, schaute man mich mit großen Augen an. „Du kannst dich doch nicht hier selbstständig machen in dem Wissen, dass du bald wieder weggehst?!“. Doch konnte ich.
Ich wusste ganz klar: ich will an die Berge. Und ich hatte keine Ahnung, wohin und wie das gehen sollte, aber ich wusste, es muss.
Ein glorreicher Einfall rettete mich: ich wollte mich erstmal noch auf eine Reise begeben. Irgendwie fühlte ich mich noch nicht bereit, wirklich Wurzeln zu schlagen. Da mein Business eh vor sich hin dümpelte, hatte ich ja auch nicht viel zu verlieren.

Gesagt, getan und knapp ein Jahr durch Europa gereist (diese Geschichte heben wir uns für ein andermal auf ;-)). Danach war klar: jetzt muss ein Neuanfang her. Eine gute Freundin gab mir Kurzzeit-Asyl bei München und ich machte mich auf die Suche nach meinem neuen Zuhause. Mit meinem VW Bus tingelte ich Richtung Allgäu, fand ein herrliches Plätzchen, das sich „perfekt“ anfühlte und blieb einfach dort. Ich war es ja eh gewohnt, in meinem Auto zu wohnen und freute mich, über einen erlaubten Stellplatz auf dem Parkplatz des Sonthofner Schwimmbades.

Im Umkreis von 200 Kilometern kannte ich keine Menschenseele. Wie das alles funktionieren sollte, wusste ich nicht. Ich war nur sicher, es musste und würde irgendwie gehen.

Das Universum meinte es sehr gut mit mir und schickte mir innerhalb kürzester Zeit fantastische neue Bekanntschaften und jede Menge Unterstützung. Eine von ihnen war Nina, die mich mal eben 3 Monate einfach so bei sich wohnen ließ, ehe ich im September 2014 endlich wieder eine eigene Wohnung bezog.
Und jetzt sollte und musste(!) es auch mit meinem Business wieder losgehen. Meine finanziellen Reserven waren bis auf 1000 EUR komplett futsch. Meine Newsletterliste umfasste ca. 160 Menschen (aus Marketingsicht ist das quasi nix), die noch dazu alle 400 Kilometer weit entfernt wohnten. Wie also sollte es gehen?

Just in diesem Moment der absoluten Planlosigkeit gepaart mit wilder Entschlossenheit, wies eine andere gute Freundin mich auf eine Business Mentorin hin. Ein Gespräch brachte schnell Klarheit: ich wollte unbedingt an ihrem Programm teilnehmen, ich spürte, es würde mich und mein Business enorm voran bringen. Nur woher sollte ich die über 3600 EUR dafür nehmen, wo ich doch nicht mal wusste, woher die Miete der nächsten Monate kommen sollte?

Egal, ich buchte, in dem Vertrauen, dass das Geld schon auftauchen würde.

Anschließend fragte ich zum ersten Mal in meinem Leben meine Eltern nach Geld: ich erklärte ihnen, worum es ging und bat sie um 2000 EUR, die ich im Frühjahr zurück zahlen würde. Aus dem Urlaub antworteten sie mir per Email kurze Zeit später: „Wir würden zwar niemals so viel Geld für so etwas ausgeben, aber wenn du meinst, dass es richtig ist, dann musst du das machen. Wir haben dir soeben 5000 EUR überwiesen, damit du ein bisschen planen kannst“. Baff. Tränen in den Augen. Hoffnung. Nein, eher Gewissheit: es würde irgendwie gehen.

Von da an ging es tatsächlich bergauf. Anfangs glich es eher einer Berg- und Talfahrt. Ich krempelte mein Business komplett um, mistete aus, entwarf neu und ging durch viele Ängste hindurch („das funktioniert nie, das kauft kein Mensch, so viel gibt niemand für Coaching aus“). Innerhalb kürzester Zeit lernte ich enorm viel darüber, wie man ein Business aufbaut und vor allem, dass ich mein Business so gestalten durfte, wie ich will! Wow! Was für neue Perspektiven.
Die ersten neuen Kunden kamen, der Email-Verteiler wuchs, Vorträge stießen auf tolle Resonanz – und dennoch auch zwischendurch immer wieder Tiefs, Phasen des Zweifelns, wenn mal ein paar Wochen keine Einnahmen kamen. Irgendwann wurde mir klar, dass ich immer noch grundlegend daran zweifelte, dass ich in der Lage sein würde, ein erfolgreiches Unternehmen führen und gut davon leben zu können.

Also setzte ich mich auf meinen Hintern und entschied, ab sofort aufzuhören zu zweifeln.

Es klingt ein bißchen banal, aber so war es wirklich. Ich wusste, dass Zweifeln mir jegliche Energie raubt, also entschied ich einfach, damit aufzuhören. Statt mich zu fragen, ob es funktionieren würde, konzentrierte ich mich fortan darauf herauszufinden, wie es gehen könnte.

Das war der Wendepunkt. Von da an nahm mein Business richtig Fahrt auf.

Und ich war voll in meinem Element: Coachings geben, Vorträge halten, Website gestalten und meinen ersten Online-Kurs zu entwerfen erfüllte mich total. Plötzlich fanden Menschen über die wundersamsten Wege zu mir und buchten, ohne zu zögern. Ich konnte förmlich spüren, dass ich tatsächlich angekommen war: bei mir und als Unternehmerin. Es gab keinen Zweifel mehr.

Mit einem Mal war mir klar, dass Erfolg kein Zufall ist, sondern die logische Konsequenz aus Strategie, Klarheit und Entschlossenheit.

Während eines erkenntnisreichen Urlaubs in Andalusien kam ich auf die Idee, mein Business auf online umzustellen: ich wollte von überall arbeiten können. Ab diesem Moment fanden nur noch Kundinnen zu mir, die über den ganzen deutschsprachigen Raum verteilt waren und so hatte ich innerhalb von ein paar Monaten schwuppdiwupp ein Online-Business. Mein erster Online-Kurs schlug ein wie eine Bombe, das erste 5-monatige Mentoring-Programm fühlte sich leichter an als je gedacht und ich konnte kreativ sein ohne Ende. Wow!

Heute fühlt es sich an wie das Selbstverständlichste der Welt, ein eigenes Business zu haben, zu tun und zu lassen, was ich will, meine Ideen einfach umzusetzen und auszuprobieren und mir mein Leben so zu gestalten wie es für mich stimmig ist.
Was für ein Leben!

Es ist jetzt genau sechs Jahre her, dass ich meine erste Karriere hingeschmissen habe und mich in dieses Abenteuer gestürzt habe.

Heute weiß ich, ich wurde auf zugegebenermaßen sehr unsanfte Art und Weise zu meinem Glück gezwungen. Noch während meiner Angestellten-Zeit fragte ich immer wieder danach, meine Berufung zu leben. Es hat lange gedauert, bis ich verstanden habe, dass alles, was danach kam Antworten auf diese Frage waren. Und es kam sooooo viel besser als ich jemals gedacht habe…

Es ist kein Zufall, dass viele meiner Kundinnen an ähnlichen Punkten stehen wie ich damals, wenn sie den Weg zu mir finden. Mir liegt es sehr am Herzen, in solchen Situationen da zu sein, zu ermutigen und Perspektiven aufzuzeigen. Ich habe mich über weite Strecken in diesem Prozess sehr alleine damit gefühlt und ich weiß, wie hart und anstrengend es ist, sich da alleine durchzukämpfen. Es geht auch anders. Es darf auch leichter gehen.

Und es tut so verdammt gut, Mentoren zu haben, die diesen Weg schon gegangen sind und von deren Erfahrungen man profitieren kann.

Danke, dass Du bis hierher gelesen hast. Wenn Du Dich irgendwo in diesem Text wiederfindest, lass Dir gesagt haben:

Alles ist möglich. Auch für Dich.

Ich weiß es, weil ich es selbst erlebt habe.
Und ich habe vieles von den Werkzeugen und Erkenntnissen, die ich in all den Jahren gefunden habe in meine Arbeit eingebaut. Es muss nicht jeder das Rad neu erfinden. Wenn Du bereit bist, Deine Ängste und Zweifel zu überwinden, komm mit in die Women’s Summer School. Dort legen wir das Fundament für DEINEN Weg.

Lass mich wissen, wenn ich Dich irgendwie unterstützen kann.
Herzlichst,
Deine Carolin

 

P.S.: Heute ist meine Mutter treue Zuhörerin im virtuellen Möglichkeiten-Café und mein Vater platzt regelmäßig vor Stolz, wenn er meine Umsatzsteuer-Voranmeldungen abschickt… ;-)