Wir wissen sehr viel darüber, welche Faktoren für eine gute Gesundheit entscheidend sind.
Ernährung und Nährstoffe, Schlaf, Bewegung, Stressmanagement, soziale Kontakte – wer möchte, kann all das optimieren. Für bestmögliche Gesundheit und Leistungsfähigkeit.
Aber funktioniert das wirklich?
Können wir mit dem perfekten Lebensstil perfekte Gesundheit erreichen?
Das menschliche Gehirn denkt linear.
Wenn ich (fast) alles richtig mache, muss auch das Richtige dabei herauskommen. In diesem Fall ein optimal funktionierender Körper.
So weit, so gut. In der Theorie.
In der Praxis stellt sich die Sache differenzierter dar.
Da gibt es einerseits unendlich viele Beispiele, in denen Menschen sich durch konsequente Lebensstil-Veränderungen von gravierenden, teils unheilbaren Krankheiten geheilt haben.
Weltklasse-Athleten treiben ihre Körper mit ausgeklügelten Routinen zu unglaublichen Spitzenleistungen – oft über Jahre oder gar Jahrzehnte hinweg.
Der Traum von der Kontrolle über unseren Körper scheint Realität zu sein. Zumindest zeitweise und für einen Teil der Alles-richtig-Macher.
Nur dummerweise gibt es auch die anderen.
Diejenigen, die sich ebenso sehr bemühen – oder sogar noch mehr. Die zugunsten ihrer Gesundheit auf Zucker, Alkohol und Fast Food verzichten. Die sich Bio ernähren, ihren Körper regelmäßig detoxen und ihren Haushalt auf cleane Produkte umstellen. Die sich viel draußen an der frischen Luft bewegen, Yoga machen und meditieren.
Und trotzdem mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen haben.
Supplements, Protokolle und Therapien, die bei anderen Wunder bewirken, verpuffen bei ihnen wirkungslos im Nichts. Außer Spesen nichts gewesen.
Ich selbst habe solche Frustrationen unzählige Male erlebt (zum Glück habe ich über die Zeit dann doch auch Routinen gefunden, die für mich funktionieren 😉).
Und mir begegnen immer wieder Menschen, denen es ähnlich geht.
„Wir glauben, wenn wir alles richtig machen, wird alles gut. Aber dem ist nicht so.“
Diese Aussage einer sehr erfahrenen, weisen Ärztin vor einigen Jahren ist mir im Gedächtnis geblieben.
Warum ist das so?
Warum funktioniert das scheinbar Richtige für einige und für andere nicht?
Weil Gesundheit nicht so linear ist, wie wir das gerne hätten.
Im Großen und Ganzen wissen wir sehr gut, welche Faktoren unseren Körper möglichst gesund und leistungsfähig sein lassen.
Auf individueller Ebene spielen jedoch noch ganz andere Dinge eine Rolle, die bei der Betrachtung von Kollektiven (wie es zum Beispiel in wissenschaftlichen Studien der Fall ist) in der Masse untergehen:
Der Einfluss von Traumata, Glaubenssätzen oder Weltbildern beispielsweise.
Oder die Unterschiede in Genetik, Konstitution und Stoffwechsel (die wir aktuell nur sehr bedingt erklären können).
Der meiner Meinung nach größte Einflussfaktor ist jedoch der persönliche Lebensweg.
Karma, Lebensaufgabe, Schicksal – welchen Begriff auch immer man dafür wählt. Jeder Mensch hat seine ganz individuellen Entwicklungspotenziale in diesem Leben und damit verbunden sind verschiedene Herausforderungen und Aufgaben.
Für manche liegen sie mehr im finanziellen, beruflichen oder partnerschaftlichen Bereich. Für andere eben im gesundheitlichen.
Und nein, fair verteilt sind sie auf den ersten Blick natürlich nicht.
Während manche Menschen vermeintlich einfach Glück haben, trifft es andere besonders hart.
Dabei ist die Auseinandersetzung mit den eigenen Themen letztlich genau das, worum es geht.
Das Nicht-Wissen, das Nicht-Verstehen ist obligatorischer Bestandteil dieser Wachstumsprozesse.
Gerade durch die Frustration, die Misserfolge, die Trauer, die Verzweiflung oder den Kampf gewinnen wir unterm Strich neue Erkenntnisse, bauen wir neue Fähigkeiten auf, entwickeln wir uns weiter.
Bequem ist dieser Prozess natürlich nicht.
Ich sag’s immer wieder: Jeder möchte innere Stärke haben. Aber niemand will den Weg gehen, durch den sie entsteht.
Was aber bedeutet das jetzt für unseren Wunsch nach Gesundheit und Leistungsfähigkeit?
Wie sehr haben wir unser Wohlbefinden denn nun selbst unter Kontrolle – oder auch nicht?
Meiner Erfahrung nach gilt für unseren Körper, was auch allgemein im Leben gilt:
Wir können und sollten unser Möglichstes tun. Der Rest liegt nicht in unserer Hand.
Viele Dinge können wir positiv beeinflussen. Allen voran unseren Lifestyle mit den bekannten Säulen der Gesundheit wie Ernährung, Nährstoffversorgung, Bewegung, Schlaf und Regeneration.
Das Priorisieren von (wohltuenden) sozialen Kontakten, genau wie eine positive Lebenseinstellung, fällt manchen leichter als anderen. Für unsere körperliche und mentale Gesundheit ist beides jedoch mindestens genauso wichtig wie die einfacher zu trackenden Faktoren.
Darüber hinaus gibt es Aspekte, die nicht in unserer Macht liegen. Krankheiten, Unfälle, Verletzungen und manchmal auch hartnäckige Symptome, die einfach nicht verschwinden wollen, obwohl wir schon so vieles gemacht haben.
Das Leben ist ein fortwährendes Wechselspiel aus Selbstverantwortung und Selbstwirksamkeit einerseits sowie Hingabe und Akzeptanz andererseits.
Nicht alles ergibt für unseren menschlichen Verstand immer Sinn. Ein Quäntchen Urvertrauen ins Leben kann helfen, wo wir mit unserem Latein am Ende sind. ;-)

